Look no further — I’m your man.

Künstler: Milomir Einbrodt

Milomir Einbrodt, geboren 1962 in Serbien, lebt und arbeitet in Wien. 1997–2003 studierte er Bildhauerei bei Prof. Gerda Fassel. Danach bis 2006 folgte er dem Studium der Malerei und Grafik bei Prof. Franz Graf und Prof. Gunter Damisch, biedes an der Akademie der bildenden Künste, Wien mit Diplom bei Prof. Gunter Damisch.

avatar

Milomir Einbrodt

Künstler

Im Gemäldezyklus „LOOK NO FURTHER – I‘M YOUR MAN“, zu sehen in der Galerie Zeitvertrieb, begegnen wir einer Serie junger Männer, die selbstsicher mit den BetrachterInnen Blickkontakt aufnehmen. Als Ausgangspunkt seiner jüngsten Arbeit verwendet Milomir Einbrodt Inserattexte einer Internetseite, auf der Kontakte zu Insassen von US Strafgefangenenlagern vermittelt werden. Verbunden mit Fotografien aus deren Polizeiakten verarbeitet er diese in Zeichnungen und Ölbildern zu Portraits fiktiver Personen. 

Der Titel der Arbeit birgt eine Doppeldeutigkeit: Einerseits suchen Strafgefangene Kontakte nach außen, andererseits sind es große Teile der US-Industrie, die die Rechtslage nutzend, billige, verfügbare und versicherungskostenfreie Arbeitskräfte (Strafgefangene) in riesigen Produktionsstätten für sich arbeiten lässt. Infolge mehrerer Strafrechtsreformen, die auch für kleine Delikte im Wiederholungsfall höchste Strafen vorsieht („Three strikes and You are out“) entstand eine boomende Gefängnisindustrie, die Millionen Strafgefangene in die Produktionshallen der oft privatisierten Gefängnisunternehmen zwingt.

Milomir Einbrodt, der vom Abbild  eines erstarrten Augenblicks, einer kleinen SW-Fotografie ausgeht, verleiht diesem eine neue Lebendigkeit, die die innewohnende Leidenschaft und Emotionalität widerspiegelt, die er selbst im Schaffens-prozess durchlebt. Zwischen zwei Kontinenten wechselnd, verbrachte Milomir Einbrodt seine Kindheit und Jugend in Serbien und Australien und lebt nun seit Anfang der Neunziger Jahre in Wien. Er studierte zunächst an der Universität für angewandte Kunst Bildhauerei und darauf folgend an der Akademie der Bildenden Künste, wo er in der Klasse für Malerei und Grafik bei Gunter Damisch 2006 mit Auszeichnung diplomierte. Ihre starke physische Präsenz erhalten seine Ölbilder durch eine Malweise, die durch Modellierung und überlebensgroße Ausformung skulptural wirkt und sie entsteht aus dem Ausdruck innerer Stärke im Blick der Portraitierten, der die Aufmerksamkeit der BetrachterInnen einholt. Milomir Einbrodts Werke geben nicht nur den Opfern dieses Systems ein Gesicht, seine Portraits sind stumme Erzählungen, sie verlangen nach Zuhörern.
Ester Arafune-Suranyi (Wien, April 2007)

Bilder vom Eröffnungs-Event